Westvororte punktet überraschend bei Schott
Unentschieden nach Zwei-Tore-Rückstand
(08.11.2026) Gerade als wir uns am Spielfeldrand noch so darüber unterhalten, wie lange bisher gespielt ist, weil es im Jenaer Sportzentrum Oberaue – im Schatten der direkt daneben beeindruckend daherkommenden Ad Hoc Arena – keine Anzeigetafel gibt, steht es auf einmal 1:0.
Für uns. Franz Hoffmann setzt sich in der achten Minute gegen zwei Spieler auf der Außenbahn durch, dringt in den Strafraum ein und passt von der Grundlinie aus auf den an der Fünf-Meter-Raum-Linie einschussbereiten Wolff, der nur noch einschieben muss. Richtig gut gemacht. Vor allem von Hoffmann.
Westvororte, auch ohne Eichberger, Winefeld, Rehnelt und Kurth zwar mit viel Respekt, allerdings ohne Angst vor dem großen Namen des Gastgebers. In der 20. Minute dann wie aus dem Nichts aber der Ausgleich. Nachdem ein Spieler des SV Schott Jena im Geraer Strafraum fällt, entscheidet Schiedsrichter Geißler ohne zu zögern sofort auf Elfmeter, den Kapitän Carlos Damian sicher verwandelt. 1:1 nach 20 Minuten.
Kurz darauf sind wir aber wieder da. Nach langem Pass von Schumann bedient Hoffmann Dräger. Der passt zurück auf Hoffmann. Unser Linksfuß zieht sofort ab. Der Ball verfehlt das lange Eck aber um wenige Zentimeter. Das wäre die richtige Antwort gewesen. Eine wunderschön vorgetragener Angriff.
An der linken Strafraumecke läuft sich kurz darauf ein Jenaer in unserer dicht gestaffelten Abwehr fest, fällt und bekommt dafür sofort und abermals ohne zu zögern einen Freistoß. Diesen von Ole Wellmann platziert getretenen Schuss „guckt“ Cedric Thrum lautstark „weg“, so dass das Leder glücklicherweise vom Außenpfosten ins Aus segelt.
Dann kann Schott durch den starken Schlenzig das erste Mal wirklich so richtig gefährlich in unseren Strafraum eindringen. Seine Eingabe findet Dominik Bock, der den Ball mit dem Fuß an unserem Keeper vorbei ins kurze Eck spitzelt. Schott hat das Spiel gedreht. Binnen sieben Minuten. 2:1 für den großen Favoriten und Vorjahres-Landesmeister. Mist.
Das Team von Trainer Christian Kummer bis dato nicht überzeugend, aber immer gefährlich, wenn man über die beiden Außen kommt. Besonders über rechts. Die Läufe zum Stauraum hin und Richtung Grundlinie mit anschließender Flanke sind immer brandgefährlich. Da sehen wir – wie auch schon beim zweiten Treffer – oft schlecht aus.
Insgesamt lassen wir aber relativ wenig zu. Jetzt in der 36. Minute haben wir allerdings Glück. Wir werden hinten links überlaufen und Benedikt Schlenzig läuft alleine auf unseren Keeper zu, der allerdings reaktionsschnell die Ecke zumacht und das Tor verhindert. Durchatmen.
Kurz darauf können wir den Ball vorwärts verteidigen und kontern. Unser Abschluss allerdings etwas zu schwach, so dass der Gastgeber-Keeper den Ball sichern kann. Wenn wir hier noch ein Tor machen wollen, um vielleicht doch noch etwas mitzunehmen, müssen wir aus solchen Möglichkeiten mehr machen.
So kurz vor der Pause können wir zusammenfassend feststellen, dass Schott bei den schnellen Vorstößen immer wieder gefährlich ist. Insgesamt machen wir das aber gut, auch wenn noch Luft nach oben ist. Gleich ist Pause. Die 45. Minute läuft bereits. Schott führt 2:1.
Dann verlieren wir den Ball in der Vorwärtsbewegung, obwohl wir in Überzahl sind. Carl Winkler schaltet sofort und flankt von links in die Mitte. Dort dreht sich Benedikt Schlenzig um die eigene Achse und vollendet aus Nahdistanz. Stark gemacht. 3:1 in der 45. Minute. So kurz vor der Pause. Mensch, Jungs, war das nötig? Ist das vielleicht schon eine kleine Vorentscheidung für den Favoriten?
Aber wir sind noch da. Nach einem schönen Spielzeug über Schumann, Leonhardt und Klotz lässt Wolff noch einen Gegenspieler aussteigen, zieht von der Strafraumgrenze aus mit links ab und schlenzt das Leder unhaltbar ins Lange Eck zum 3:2. Wir sind noch da. Schott hat das Spiel nach unserer anfänglichen Führung zwar gedreht, aber wir sind nach Zwei-Tore-Rückstand zurückgekommen und sind wieder dran. Moral gehört fortan zum fußballerischen Portfolio der Scheubengrobsdorfer Jungs.
So, jetzt die Pause nutzen, um etwas umzustellen, frische Kräfte zu sammeln und dann vielleicht doch noch einmal anzugreifen? Der Weg in die Kabine ist weit, daher dauert die Pause bei winterlichen Temperaturem um Null heute fünf Minuten länger als gewöhnlich.
Nachdem im zweiten Durchgang etwa 10-12 Minuten gespielt sind, können wir bis dato kaum gefährliche Situationen konstatieren. Das Spiel bewegt sich hauptsächlich zwischen den Strafräumen. Schott kann den Sack noch nicht zumachen. Es bleibt spannend. Westvororte ist immer noch da. Westvororte arbeitet. Westvororte kämpft. Und Westvororte spielt auch Fußball. Im Laufe der zweiten Halbzeit sogar den etwas besseren.
Und gleich sagen wir wieder Hallo im gegnerischen Strafraum. Die erste richtig gute Möglichkeit im zweiten Durchgang haben die Unseren. Nach schöner Flanke von Wolff zieht Hoffmann direkt ab und zwingt Keeper Dzotsenidze zu einer sensationellen Glanzparade. Das war vielleicht die größte Chance des Spieles bisher. Richtig Klasse von den beiden Geraer Angreifern, aber auch reaktionsschnell vom starken Jenaer Keeper.
Und gleich noch einmal Westvororte. Tim Richter zieht mit seinem starken Linken einfach mal aus gut 20 Metern ab. Der Schuss aber zu zentral, so dass er sichere Beute für den Keeper von Schott ist. Aber wir sind da. Wir haben uns noch nicht aufgegeben. Wir wollen uns nicht geschlagen geben. Wir wollen einen Punkt. Die Mannschaft hat immer an sich geglaubt.
Auf der anderen Seite ist ein Schott-Stürmer auf und davon, steht aber im Abseits, was der Schiedsrichterassistent auf der Gegenseite richtig erkannt hat. Dann die ersten Wechsel. Wir schreiben die 68. Minute. Konrad Szydlo für Mouctar Diallo und Leonardo Castro da Silva für Lenny Schumann. Und gleich wieder geht es für Schott in den Rückwärtsgang. Wir drücken den Favoriten jetzt in dessen eigene Hälfte.
Kaum sind nach den beiden Wechseln wenige Sekunden gespielt, sind Ben Leonhardt und der heute wieder sehr auffällige Markus Klotz handlungsschneller als die gegnerische Defensive und setzen Konrad Szydlo in Szene. Der kommt im Strafraum vor dem Verteidiger an den Ball, legt sich das Spielgerät noch einmal kurz vor und trifft mit seiner ersten Ballberührung aus Nahdistanz eiskalt zum Ausgleich.
Was ist denn hier los? Westvororte holt gegen den aktuellen Landesmeister auf dessen Kunstrasen einen Zwei-Tore-Rückstand auf und gleicht aus. 3:3 in der 68. Minute. Jungs, ihr seid der absolute Wahnsinn! Noch 20 Minuten. Sollten wir hier vielleicht wirklich etwas mitnehmen? Aber die Frage ist verfrüht. Noch ist lange zu spielen.
Auf der anderen Seite ist jetzt Schott auf und davon. Wir können per taktischem Foul kurz vor der Strafraumgrenze in allerhöchster Not klären. Den scharf und platziert getretenen Freistoß hechtet unser Keeper Cedric Thrum sensationell zur Ecke.
Kurz darauf Schott, aber wir erobern aber sofort wieder das Leder. Ben Leonhardt auf Jannik Wolff. Der zwingt jetzt den Gastgeber-Keeper Aleksandre Dzotsenidze zu einer Glanzparade. Der lässt sich aber nicht überraschen und hat den Ball sicher.
Jetzt geht es hin und her. Glück dann für unsere Mannen, als ein abgefälschter Ball entgegen der Laufrichtung unseres Keeper am langen Pfosten vorbei ins Aus trudelt. Weiterhin unentschieden. Vielleicht noch acht oder neun Minuten. Sollten wir hier wirklich einen Punkt mitnehmen?
Die Fangesänge der etwa 20 mitgereisten Geraer werden lauter. Und schon wieder Westvororte. Wir knien uns rein. Wir gewinnen jetzt die Zweikämpfe. Wir sind präsent. Wir sind immer wieder diesen kleinen Tick eher am Ball. Die zweite Halbzeit gehört, nachdem wir die erste statistisch verloren haben, nun uns. Wer ist hier der Favorit?
Hoffmann setzt sich nun über recht schön durch und bringt den Ball scharf in die Mitte. Dort steht Ben Leonhardt völlig frei und einschussbereit. Ein Jenaer Verteidiger kann den Ball in allerhöchster Not zur Ecke retten.
Westvororte jetzt dem Siegtreffer näher als Schott, auch wenn Abwehrchef und Kapitän Carlos Damian nur noch im Sturmzentrum zu finden ist. Ist das die letzte Waffe des Favoriten? Wenn ja, hat die nicht gezündet, Westvororte lässt sich auch vom starken Jenaer Kapitän nicht überraschen.
Eine kuriose Situation dann so etwa zwei Minuten vor Ultimo, als der ballführende Richter und der ihm im Weg stehende Schiedsrichter aufeinandertreffen und unser Kapitän dadurch den Ball verliert. Schott reagiert. Schnell. Ball in die Spitze. Ball quer. Ball ins Tor. 4:3 durch Nick-Joel Anschütz für Schott.
Dann aber ein Pfiff. Fragende Spieler. Fragende Fans. Freistoß für Westvororte im Strafraum. Da haben wir jetzt Glück gehabt, dass Sportfreund Geißler das Foul von Carl Winkler gesehen und diesmal für uns gepfiffen hat. Es bleibt beim 3:3. Ein letztes Aufbäumen und ein Siegeswille der Hausherren ist nur ansatzweise zu erkennen.
Die vier Minuten der angezeigten Nachspielzeit sind fast rum. Noch einmal ein Foul an einem Westvororte-Kicker in der Hälfte der Gastgeber. Können wir den fälligen Freistoß vielleicht als hohen Ball noch einmal gefährlich in den Strafraum bringen? Geht hier vielleicht noch mehr als ein Punkt?
Nein, können wir nicht. Denn der Schiedsrichter hat etwas dagegen, meint es gut mit dem Gastgeber und pfeift in dem Moment, in dem wir den Freistoß hätten ausführen könnten, ab.
Der Jubel bei unseren Spielern und mitgereisten Fans ist dennoch riesengroß, hat man dem großen Favoriten nach Zwei-Tore-Rückstand und eigentlicher Vorentscheidung doch ein Unentschieden abgetrotzt und mit viel Moral, mannschaftlicher Geschlossenheit und grenzenlosem Willen einen Punkt erkämpft, den man sich letztendlich wirklich verdient hat.
Der Titel Man of the Match geht heut ans das gesamte – von einem überragenden Kapitän geführte – Team unseres Trainer-Gespannes Gehrt/Schlebe, denn nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch hat man mit dem SV Schott Jena mithalten können und den Favoriten richtig gefordert. Auch unsere beiden Trainer waren, vor allem mit der zweiten Halbzeit, hochzufrieden und verteilten Komplimente an ihre Spieler.
Mit diesem verdienten Punktgewinn geht es in eine kleine Pause. Nächste Woche haben unsere Jungs spielfrei, so dass wir auf den gemeinsamen Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee verzichten müssen. Heute aber wollen wir den – wie immer pünktlich um null900 – nochmals in vollen Zügen genießen, ehe sich unsere Redaktion jetzt schnell auf dem Weg zum Legendentreffen in den LVM-Sportpark aufmacht.
Ohne Worte …
#ausgerafürgera
#stolzkenntkeineliga
#fairrespektvollkämpferisch
#westvororte … Wo Freunde nicht nur zusammen Fußball spielen
Dieses Spiel wird präsentiert von unserem Partner NextPhones.




