Manchmal ist man Hund, manchmal Baum.
Respektabler Auftritt mit fragwürdiger Roter Karte
(25.10.2026) Ja, das war er. Ein äußerst respektabler und couragierter Auftritt unserer Jungs beim Ex-Oberligisten in Heiligenstadt – auch wenn das Ergebnis etwas anderes sagt. „Wir hätten uns auch nicht beklagen dürfen, wenn wir mit einem Rückstand in die Pause gegangen wären.“ waren immerhin die Worte des Trainers unserer Gastgeber, Alexander Ludwig, zur Pressekonferenz kurz nach dem Spiel.
Wie auch er befanden wir, dass die fragwürdige Rote Karte der Knackpunkt im Spiel gewesen ist, der einen starken TSV Gera-Westvororte durch die willkürliche Entscheidung des Unparteiischen unglücklich auf die Verliererstraße brachte. Aber der Reihe nach.
Viel passiert ist in der Anfangsviertelstunde nicht. Westvororte macht das gut. Westvororte macht die Räume eng. Nach vorn sieht das gefällig aus. Die ersten 15 Minuten haben wir beim großen Favoriten gut überstanden.
In einem ausgeglichenen Spiel haben wir vielleicht sogar ein klein wenig mehr Ballbesitz und haben es sogar schon zweimal gefährlich in den gegnerischen Strafraum geschafft. Dann kommt der Gastgeber das erste Mal in unseren 16 er. Die schafe Flanke wird von Christopher Lätz geklärt, aber auch so unglücklich abgefälscht, dass der Ball im hohen Bogen über unseren Keeper hinweg im langen Eck im Tor landet. 1:0 für den SC Heiligenstadt, der gar nicht weiß, wer er zu diesem Erfolg gekommen ist.
Wir brauchen etwas, um uns von diesem kleinen Schock zu erholen, um wieder in unser Spiel zu finden, was wir bis dato richtig gut gemacht haben. Dann hat Heiligenstadt die eigentlich erste richtig gute Chance, aber Jonas Tämmler ist zur Stelle und lenkt den Schuss aus Nahdistanz in der 23. Minute per Glanzparade zur Ecke.
Dann tanzt Franz Hoffmann seinen Gegenspieler aus. Der letzter Pass kann in allerhöchster Not vom SCH abgewehrt werden. Die Chance ist dahin. Auf der anderen Seite versucht sich der Gastgeber aus 25 Metern mit einem satten Fernschuss. Tämmler abermals auf dem Posten, ganz sicher. Aber Fernschüsse sind ein probates Mittel auf diesem tiefen, von Regen getränkten Geläuf.
Für die nächste Aktion bekommt Lenny Schumann zehn Punkte. Im Zweikampf setzt er sich an der Mittellinie innerhalb kürzester Zeit zweimal überragend gegen zwei Heiligenstädter durch und kann vom dritten Gegenspieler nur per Foul gestoppt werden.
Den fälligen Freistoß schlenzt Tim Richter von der Mittellinie in den Strafraum, wo Maximilian Kurth am rechten 5-Meterraum-Eck am höchsten steigt und per Kopf zwar noch am Keeper scheitert, den Nachschuss aber versenken kann. Das 1:1 in der 31. Minute. Der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt hoch verdient.
Man konnte nach gut 30 Minuten wirklich nicht sehen, welche Mannschaft im vergangenen Jahr noch Oberliga gespielt hat. Und gleich wieder Westvororte. Steiler Pass auf Wolff. Der ist schneller als sein Gegenspieler, ist allein durch und wird direkt an der Strafraumgrenze vom Keeper rigoros von den Beinen geholt. Rot ?!? Letzter Mann! Notbremse!
Aber nein. Der Schiedsrichter lässt Gnade vor Recht ergehen und zeigt dem insgesamt mehrfach recht unsicheren Keeper nur Gelb. Da hat der 34-jährige Serbe aber auch so richtig Glück gehabt, dass er trotz dieser klaren Notbremse weiterspielen kann. Freistoß an der Strafraumgrenze. Der Schuss von Franz Hoffmann kommt gut und scharf, aber der Keeper kann diesmal parieren.
Aber gleich wieder wir. Zschille erobert beim nach vorn Verteidigen den Ball in der eigenen Hälfte und setzt Markus Klotz ein. Der kann allein aufs Tor zulaufen, aber dabei verspringt ihm der Ball, so dass ein Verteidiger doch noch rechtzeitig zur Stelle ist. Westvororte jetzt die bessere Mannschaft.
Auf der Gegenseite gibt es dann, wo zwei Minuten der einminütigen Nachspielzeit rum sind, noch einen Freistoß für den Gastgeber, der aber nichts einbringt. Pause. Wenn wir noch so eine Halbzeit hinlegen, fahren wir heute nicht mit leeren Händen nach Hause.
Die die Mannschaft mit dem großen Reisebus begleitenden etwa 20 Weiß-Blauen Fans sind optimistisch, stimmen gutgelaunt immer wieder ihre Fangesänge an und sind gegenüber den Heimzuschauern in dieser Kategorie klar in Führung.
Aber kaum sind im zweiten Durchgang fünf Minuten gespielt schwindet die Hoffnung. Wieder haben wir den ersten schönen Angriff, lassen uns dann aber auskontern. Wie in der ersten Halbzeit auf der anderen Seite Heiligenstadts Keeper kommt diesmal Jonas Tämmler – allerdings im Strafraum – einen Schritt zu spät und bringt den Stürmer beim Versuch den Ball mit den Fingerspitzen wegzuspitzen zu Fall.
Elfmeter. Und wie auch vorhin eine klare Gelbe Karte ?!? Wie schon in der vergleichbaren Situation in der ersten Halbzeit liegen wir verkehrt. Es gibt nicht Gelb, es gibt Rot. Auch ein anderer Vertreter aus der Gilde der Referees bestetigte uns, dass es sich zwar um ein Foul, aber keineswegs um eines, welches mit Rot zu ahnden war, handelte, auch, weil der SCH-Stürmer im Gegensatz zu Jannik Wolff, der direkt aufs Tor zulief, in dieser entscheidenden Situation den Weg leicht nach links – also vom Tor weg – suchte.
Das sorgte nicht nur bei den mitgereisten Westvororte-Fans für ungläubige Diskussionen, sondern auch bei den Gastgeber-Zuschauern wundert man sich über die unterschiedliche Auslegung zweier vergleichbarer Situationen und fühlte verständlicherweise mit uns.
Immerhin bekommt der Schiedsrichter für seine Rot-Entscheidung vom gegnerischen Torhüter Applaus. Eine – im Gegensatz zum sehr fairen Auftreten der Gastgeber-Mannschaft und der heimischen Fans – äußerst unsportliche Aktion des sonst eher durch Fehlpässe und Unsicherheiten glänzenden Keepers.
Apropos Keeper. Mika Schlundt, der auf Seiten unseres TSV nun Jonas Tämmler ersetzen muss, steht gleich vor einer ganz schweren Aufgabe und hat beim fälligen Elfmeter von Maciej Wolanski keine Chance, obwohl er die Ecke geahnt hat. Platziert und scharf geschossen. 2:1. Bitter.
Das wird jetzt ganz schwer. Großer Platz, tiefes, schweres und nasses Geläuf, Rückstand und – vor allem – Unterzahl. Und nur knapp fünf Minuten später ist die Vorentscheidung dann wohl auch gefallen. Ein knallharter Schuss von Alexander Aschoff aus 20 Metern schlägt unhaltbar neben dem Innenpfosten ein. 3:1.
„… Läuft!“ denkt und kommentiert manch Gersche(r), der bzw. die es nicht so mit dem TSV hält und sich somit auch ganz klar gegen unseren Verein positioniert hat. Für uns läuft es heute – zumindest was das Ergebnis betrifft – wirklich nicht so gut. Tja, manchmal ist man eben Hund, manchmal Baum.
Noch immer gibt sich die Mannschaft unseres Trainerteams Daniel Gehrt/Philipp Schlebe aber nicht auf. Vor der Leistung der Mannschaft, die selbst im Unterzahl keinen Ball hergibt, keinen Zweikampf scheut und auch immer wieder den Angriff sucht, muss man heute den Hut ziehen.
Dann kommt es zu genau so einem Angriff. Hoffmann überläuft zwei Gegenspieler und zieht von der Strafraumgrenze von halbrechts ab. Sein Torschuss geht nur um Haaresbreite am kurzen Pfosten vorbei. Wir sind noch da.
Wir sind immer noch präsent. Wir kämpfen und wir spielen weiterhin mit, laufen aber dann wieder in einem Konter. Jetzt ging es für uns zu schnell. Die Unterzahl macht sich bemerkbar. Über rechts gelangt der Gastgeber mit millimetergenauen Pass ins Zentrum. Dort muss 15 Minuten vor Ultimo Jonas Grimm nur noch den Fuß hinhalten. 4:1. Die endgültige Entscheidung nach einem sehr schönen Spielzug des SCH.
Nochmals müssen wir jetzt in den letzten Minuten unserer Mannschaft allergrößten Respekt zollen, hat sie sich nicht aufgegeben und dafür gekämpft, das Resultat in einem erträglichen Rahmen zu halten.
Die letzten Minuten plätschert das Spiel so vor sich hin. Wir wechseln 10 Minuten vor Ultimo gleich vier mal. Die neuen Wilden geben mächtig Gas und knien sich rein. Wir sind um eine weitere Resultatsverbesserung bemüht und dringen auch das ein oder andere Mal noch in den gegnerischen Strafraum ein, aber im Abschluss sind wir nicht effizient genug, auch wenn der gegnerische Keeper nochmals einen einfachen Ball prallen lässt.
Schade auch, dass wir diese Unsicherheiten des Torhüters der Gastgeber nicht nutzen könnten. Eine fragwürdige Entscheidung von Schiedsrichter Colin Diehl aus Kassel kurz nach der Pause brachte den Ex-Oberligisten etwas glücklich auf die Siegerstraße und den TSV Gera-Westvororte vielleicht um den Lohn der Arbeit.
Trotz der deutlichen Niederlage, die das Spiel allerdings nicht widerspiegelt, konnten unsere Jungs erhobenen Hauptes nach Hause fahren und werden die kommenden Tage dafür nutzen, um sich gut auf die nächste Begegnung vorzubereiten, wenn wir es abermals mit einem ehemaligen Oberligisten zu tun haben. Am kommenden Samstag begrüßen wir keinen Geringeren als den SV Arnstadt im LVM Sportpark in Scheubengrobsdorf. Auch dann zählen wir wieder auf unsere Fans.
Wollen wir uns nun trotz der Niederlage – wie immer pünktlich um null900 – den Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee schmecken lassen. Ach ja, und nicht vergessen die Uhr umzustellen. Die Sommerzeit ist leider vorbei. Und es ist jetzt wirklich erst um neun.
Ohne Worte …
#ausgerafürgera
#stolzkenntkeineliga
#fairrespektvollkämpferisch
#westvororte … Wo Freunde nicht nur zusammen Fußball spielen
Dieses Spiel wird präsentiert von unserem Partner NextPhones
Ein großes Dankeschön an die Firma Herzum-Tours für die Bereitstellung des Busses, an Marcel Worms für die angenehme Fahrt und an Michael Apel vom 1.SC 1911 Heiligenstadt für die Fotos.






