Westvororte ringt Schleiz im Regen nieder
Hochverdienter Heimsieg mit Zittereinlage in der Nachspielzeit
Guten Morgen, Westvororte. Da sind wir wieder. Pünktlich um null900, richtig gut gelaunt. Im Rahmen dieser guten Laune muss unsere Redaktion heute aufpassen, dass sie nicht zu sehr ins Schwärmen gerät. Zwei wirklich hochverdiente Siege hintereinander – das hat schon was, das macht schon was. Wir versuchen trotz noch reichlich vorhandenem Adrenalin das Match halbwegs sachlich darzustellen.
Gleich nach vier Minuten knallt es zum ersten Mal. Jannik Wolff setzt sich nach schönem Trick von Philipp Rehnelt gegen seinen Gegenspieler durch. Torwart Jünger bringt Wolff zu Fall, ist aber im letzten Moment, als unsere Nr.#13 ihn umkurven will, wohl noch mit der Fußspitze am Ball und klärt zum Einwurf. Da hat der ein oder andere sogar einen Elfmeter gerochen.
Und gleich noch einmal die Unseren. Franz Hoffmann setzt sich über rechts gut durch. Seinen Rückpass nimmt Philipp Rehnelt von der Strafraumgrenze direkt, aber der effetvolle Schuss landet über den Keeper hinweg auf dem Tornetz.
Wir sind gut im Spiel. Körperlich und spielerisch. Eichberger lässt an der Mittellinie zwei Gegner geschickt ins Leere laufen und passt auf Hoffmann. Der zieht aus 20 Metern mit seinem starken Linken direkt ab, trifft leider nur den Pfosten. Tolle Aktion. Sowas ist eigentlich ein Tor wert.
Dann steht erstmals Tämmler im Mittelpunkt, kann aber den etwas zu kurz geratenen Rückpass vor dem einschussbereiten Albert Pohl am Strafraumeck in allerhöchster Not per Fuß noch klären.
Auf der anderen Seite ist es abermals Hoffmann, der aus der Distanz abzieht, allerdings klatscht das Spielgerät wieder nur an den Pfosten. Wir kommen dem ersten Treffer immer näher. Weiter so, Franz. Du belohnst dich heute noch! Wir spielen so richtig attraktiven Offensiv-Fußball.
Auf der anderen Seite wird es jetzt ebenfalls gefährlich, aber den Schleizer Stürmer, der plötzlich völlig frei vor Jonas Tämmler auftaucht und auch zum Abschluss gekommen wäre, pfeift der Schiedsrichter wegen eines Handspiels zurück. Sehr aufmerksam vom insgesamt guten Team um Referee Hillig.
Nachdem nun ein paar Minuten ohne Torschuss vergangen sind, versucht sich Jannik Wolff mit einem Lupfer aus der Distanz, aber der etwas weit vor seinem Kasten positionierte Schleizer Keeper kann per Faust noch gerade so zur Ecke klären.
Und wieder wir. Nach einem Freistoß von Tim Richter von der Mittellinie kommt Christopher Lätz nach technisch feiner Ballannahme mit der Brust am rechten Fünf-Meter-Eck aus der Drehung zum Schuss, aber ein Abwehrspieler steht im Wege und verhindert den Einschlag. Eine Führung für die Scheubengrobsdorfer wäre zu diesem Zeitpunkt – so um die 25. Minute – mehr als verdient. Ein wahnsinnig packendes und schnelles erstes Viertel dieses Verbandsliga-Matches.
Ein kleines Fazit Mitte der ersten Halbzeit: Westvororte präsentiert sich bei Dauer-Nieselregen und geschätzten 150 Zuschauern, die bei diesen unschönen Wetter den Weg in den LVM Sportpark gefunden haben, sowohl spielerisch als auch kämpferisch auf echt gutem Landesliganiveau. Bis dato haben wir gegen den Tabellenfünften und Favoriten aus der Rennstadt entschieden mehr vom Spiel und auch die größeren Möglichkeiten. Weiter so!
Was wir besonders gut machen: Wir laufen den Gegner hoch und schnell an. Damit bringen wir Abwehrchef Amel Nukovic und seine Nebenleute im Spielaufbau immer wieder in die Bredouille. Und wieder kommen wir frei zum Schuss, aber wieder ist ein Fuß der vielbeinigen Schleizer Defensive dazwischen.
Kurz darauf Gelb für Tim Richter, der einen gegnerischen Konter per Foul noch rechtzeitig unterbindet. Der Freistoß für unsere Gäste bringt nichts ein. Es geht auf die 45. Minute zu. Zwischenzeitlich gab es mehrere Fouls auf beiden Seiten und auch die ein oder andere heiße Diskussion. Ein packendes Spiel.
Dann Schleiz. Eine Kopfballverlängerung bringt Albert Pohl in die perfekte Position, allein auf unseren Keeper zuzulaufen, glücklicher- und richtigerweise hat der Schiedsrichterassistent aber ein knappes Abseits erkannt.
Dann wieder das Team unseres Trainergespannes Gehrt/Schlebe mit einem Zauberangriff. Kurth auf Eichberger. Der schiebt den Ball überlegt durch auf Hoffmann. Der düpiert noch einen Gegenspieler, kommt über rechts in den Strafraum und relativ frei zum Abschluss, aber sein Schuss aus spitzem Winkel geht knapp am Pfosten vorbei. Die nächste 100-prozentige für unsere Mannen.
Mit einem wirklich schmeichelhafte Unentschieden für den Favoriten aus Schleiz geht es in die Pause. Über eine Führung der Gastgeber hätten sich Pohl und Co nicht beschweren dürfen.
Der zweite Durchgang beginnt wie der Erste endete. Angriff von Westvororte. Hoffmann auf Dräger. Der auf Eichberger. Dessen Schuss geht ganz knapp am kurzen Pfosten vorbei. Mensch, wann belohnen wir uns denn endlich? Eine Führung wäre mittlerweile wirklich mehr als verdient. Aber weiterhin hält unser Gast die Null.
Dann dribbelt Eichberger am Strafraum quer und wird zu Fall gebracht. Eichberger, der in dieser Situation unverständlicherweise keinen Freistoß zugesprochen bekommt, muss vorerst behandelt werden, kann aber dann trotzdem weiterspielen, auch wenn er sich ständig an die Hüfte greift und etwas humpelt.
Auch in der zweiten Halbzeit haben wir in den ersten Minuten deutlich mehr vom Spiel. Noch aber belohnen wir uns nicht. Auf der anderen Seite dann eine Ecke für Schleiz. Die sind immer gefährlich. Abermals kommt Routinier Albert Pohl trotz seiner „nur“ 1,75 zum Kopfball, der glücklicherweise knapp daneben geht.
Danach sind wir aber schon wieder im Ballbesitz, schließen einen Angriff allerdings etwas überhastet ab. Der Schussversuch von Jannik Wolff geht deutlich daneben. Westvororte dominiert und agiert. Schleiz reagiert.
Dann aber doch. Endlich! Abermals steht Jannik Wolff im Mittelpunkt. Er nimmt dem Schleizer Verteidiger beim 30-Meter-Sprint auf der linken Außenbahn zwei Meter ab. Auf der Grundlinie kommt unsere Nr. #13 einen Schritt eher an den Ball und passt scharf nach innen. Franz Hoffmann läuft am langen Pfosten ein, ist ebenfalls einen Schritt schneller als sein Gegenspieler und muss das Leder nur noch über die Linie drücken. 1:0. 58. Minute. Jawoll. Endlich.
Und gleich wieder Wolff. Der ist überall. Jetzt klärt er mit letztem Einsatz in allerhöchster Gefahr im eigenen Strafraum zur Ecke. Die bringt nichts ein, aber gleich noch einmal müssen wir die Luft anhalten, als Schleiz nach einer Kopfballabwehr der Scheubengrobsdorfer den direkten Abschluss sucht, das Leder aber deutlich über den Kasten geht.
Wolff, immer wieder dieser Wolff. Der macht heute sein beste Spiel in dieser Saison. Wieder setzt er sich über links auf Höhe der Strafraumlinie im eins-zu-eins durch und sucht abermals den langen Pfosten. Dort findet er wie schon beim 1:0 seinen kongenialen Partner Franz Hoffmann, der aus Nahdistanz mit seinem Doppelpack in der 64. Minute das 2:0 markiert.
Schleiz liegt unserer Nr.#29. Schon im Pokal war er mit drei Toren gegen die Rennstädter erfolgreich. Damals konnte das Team vom Trainer Roger Fritzsch das Spiel nach Pausen-Rückstandstand aber noch drehen. Und heute?
Es geht zur Sache. Die Zweikämpfe im Mittelfeld nehmen zu, sind hart, aber nicht unfair. Wir sind voll dabei. Wir sind präsent. Auch in einer Druckphase der Gäste. Wir hauen uns hinten voll rein, klären jetzt in der 69. Minute mit letztem Körpereinsatz einen Schuss zur Ecke und feiern diese Aktion wie ein Tor. Die Fans am Spielfeldrand feiern mit unserem Schlachtruf mit. Noch genau 20 Minuten. Noch 20 lange Minuten.
Der Regen prasselt unaufhörlich nieder. Heute ist so richtiges Fritz-Walter-Wetter. Wir haben uns ob dieses parkenden Spieles damit angefreundet. Auch die 161 Zuschauer, die es trotz der widrigen Witterungsverhältnisse in den LVM Sportpark gezogen hat, harren aus, haben sie bisher doch ein packendes Spiel gesehen. Und die Dramaturgie will, dass dieses Spiel noch lange nicht zu Ende, noch lange nicht entschieden ist.
Jetzt laufen wir in einen Konter. Glück, dass der schnelle Albert Pohl wiederholt um Zentimeter im Abseits steht. Nachdem Schleiz bereits zweimal gewechselt hat, wechseln nun auch wir. Neu im Spiel jetzt Lenny Schumann für Leonardo Castro Da Silva, der komplett ausgepowert ist und hinten links ein hervorragendes Spiel gemacht hat. Unsere Nr.#7 hat gekämpft wie ein Löwe.
Dann erweist uns Philipp Rehnelt ein Bärdienst. Nach einem Allerweltsfoul bekommt er Gelb, meckert wohl und sieht dafür Gelb/Rot. Die letzten 17 Minuten sind wir nun in Unterzahl. Damit fehlt uns jetzt ein Spieler, mit dem wir den Gegner weiterhin hoch anlaufen können. Wir ziehen uns mehr und mehr unfreiwillig zurück.
Schleiz domkniert auf einmal das Spiel. Schleiz drückt uns nun tief in unsere eigene Hälfte. Die haben sich noch lange nicht aufgegeben. Und gleich die erste gute Möglichkeit. Nach einer Flanke verpassen die Rennstädter per Kopf den langen Pfosten nur knapp. Von nun an haben wir hinten Schwerstarbeit zu verrichten. Wir kommen kaum noch raus. Bei den gelegentlichen Kontern ist der letzte Pass zu ungenau. Sofort ist Schleiz wieder am Ball und in unserer Hälfte.
Der Dauerdruck der Gäste lässt nicht nach. Große Chancen aber glücklicherweise bisher Mangelware, da wir äußerst kämpferisch sind und weiterhin diszipliniert stehen. Noch 10 Minuten.
Unsere Jungs sind nach den bisherigen 80 intensiven Minuten auf einem schweren nassen Geläuf stehend k.o. Das werden noch ganz ganz schwere sieben bis acht Minuten für Kapitän Tim Richter und Co.
Schleiz drückt. Wir müssen in Unterzahl nur noch Brände löschen. Eichberger und Wolff, die gefühlt je 20 km gelaufen sind, verlassen beide humpelnd den Platz. Die beiden können nicht mehr. Respekt vor deren Leistung. Mouctar Diallo und Julian Hoyer jetzt neu im Spiel.
Am Spielverlauf hat sich die letzten 10 Minuten nichts geändert. Wir stehen hinten drin. Schleiz greift an. Wir machen das aber gut. Wir arbeiten. Wir kämpfen. Wir stehen gut. Szenenapplaus bei jedem abgewehrten Ball. Und von draußen jedes Mal ein lautes: „Ohne Worte – Westvororte.“
Noch drei Minuten. An der Mittellinie wird Maximilian Kurth zu Fall gebracht. Wir können kurz durchatmen. Diese kurze Pause brauchen wir jetzt auch. Der Sieg ist trotz der Zwei-Tore-Führung und der fortgeschrittenen Spielzeit noch längst nicht in trockenen Tüchern.
Der Freistoß bringt uns nichts ein. Gegenstoß der Schleizer. Aber der aufmerksame Tämmler faustet den Ball an der Strafraumgrenze sicher weg. Was uns sonst vor die Füße fällt, schlagen wir jetzt einfach rigoros nach vorn. So müssen wir uns noch mindestens zwei oder drei weitere Minuten erwehren.
Wir wollen in der 89. noch einmal wechseln. Noch hat der Schiedsrichter nicht angezeigt, wie lange er nachspielen lässt. Wir sind gespannt. Jetzt. Vier Finger gehen in die Höhe. Und wieder Schleiz im Westvororte-Strafraum. Und abermals ist es Tämmler, der den klitschigen Ball unter sich begräbt. Ganz sicher, dieser Teufelskerl.
Die Nachspielzeit läuft. Abermals ist Tämmler, der nun mehr und mehr im Mittelpunkt steht, mit der Faust zur Stelle und boxt das Ding aus dem Strafraum. Danach ist es Zschille, der per Kopf klärt, der Nachschuss geht weit über unseren Kasten. Der Puls der Spannung scheint zu explodieren.
Wir nehmen Zeit von der Uhr und wechseln noch zweimal. 90. plus zwei. Kilian Seidel und Ben Leonhardt kommen für Hoffmann und Richter, die wahnsinnig viel gearbeitet und gekämpft haben.
Zwei der vier Minuten der Nachspielzeit sind um. Schleiz gibt sich immer noch nicht auf. Respekt. Sie versuchen es mit Gewalt. Noch stehen wir aber gut. Zschille, Lätz und Kurth verrichten da hinten drin Schwerstarbeit. Machen das aber wirklich bravourös.
Dann ist es aber doch passiert. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ein individueller Fehler in unserer Hintermannschaft wird sofort bestraft und Schleiz erzielt den Anschlusstreffer. Yogo Arakaki trifft eine Minute vor Ultimo zum 2:1. Müssen wir jetzt doch noch einmal so richtig zittern?
Das Team von Trainer Fritzsch wirft alles nach vorn. Selbst Schleiz’ Keeper Maximilian Jünger steht in unserem Strafraum. Dann ein weiteres lautes „Leo“. Tämmler springt hoch, fängt das Leder und begräbt Ball sicher unter sich. Die Zeit ist um. „Pfeif ab!“ schallt es vom Spielfeldrand. Wir sind in der 90. +5. Die Uhr scheint stehen geblieben. Dann aber doch.
Aus. Das Spiel ist aus. Westvororte gewinnt und holt den zweiten Sieg in Folge. Was für ein Kampf, was für eine Leistung. Unsere Jungs haben sich heute selbst belohnt und einen hochverdienten Sieg eingefahren.
Und auch, wenn unsere Fans der Saarbach-Chaoten der Meinung waren, dass es gestern keinen Spieler des Tages geben sollte, da die Mannschaft der Man of the Match ist, vergeben wir die Höchstnote heute an unseren Doppeltorschützen Franz Hoffmann.
So lässt sich doch sogar ein regnerischer Sonntag wirklich gut an und der Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee, heute mit drei Stück Zucker und einen extra Schuss Sahne versetzt, gleicht einem Cappuccino, der trotz des Wetters draußen vom Sonnenschein geküsst ist.
Wir wünschen euch nun allen einen schönen Sonntag und morgen einen guten Start in die neue Woche.
Und wer am kommenden Samstag Zeit und Lust hat, die Mannschaft nach Heiligenstadt zu begleiten, meldet sich schnell noch unter info@westvororte.de, denn im großen Reisebus der Firma Herzum-Tours sind noch ein paar wenige Plätze frei.
Ohne Worte …
ausgerafürgera
#stolzkenntkeineliga
#fairrespektvollkämpferisch
#westvororte … Wo Freunde nicht nur zusammen Fußball spielen
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