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Um den Lohn der Arbeit gebracht

Es gibt keine B-Note

Die ersten Akzente setzt Westvororte. Wir verlieren allerdings an der Strafraumgrenze den Ball. Dann geht es ganz schnell. Jäpel taucht völlig frei vor Tämmler auf, der aber geschickt den Winkel verkürzt und sich ganz breit macht. Glück für uns. Der Ball klatscht an den Pfosten.

Kurz darauf innerhalb einer Minute zweimal der Schrei nach Elfmeter. Zweimal wird im Strafraum ein Blauer unfair umgerannt. War es beim ersten Mal Franz Hoffmann, trifft es im wahrsten Sinne des Wortes nun Philipp Rehnelt. Beide Male bleibt der Pfiff aus. Dann spielt Maximilian Kurth dem startenden Klotz in den Lauf, der allein auf den Torwart zuläuft, aber von der Abseitfahne eingeholt wird. Das war knapp.

Abermals spielen wir uns über die rechte Seite gut durch. Markus Klotz ist wieder völlig frei, aber der Winkel etwas zu spitz, so dass sein Schuss knapp am langen Pfosten vorbeigeht. Aber das sieht nach vorn recht gut aus.

Kurz darauf wird Jannik Wolff nach einem Zweikampf wuchtig gegen die Brust geschlagen und umgestoßen. Das war eine klare Tätigkeit. Rot? Nein. War wohl Nix? Gar nix! Das erste Kopfschütteln. Weiter geht’s.

Dann, nach genau 20 Minuten wie aus dem Nichts das Tor für den Gastgeber. Einen langen Ball können wir nicht verteidigen. Die Flanke kommt auf Jäpel. Der sieht den besser postieren Bartozs Kosmowski, der am langen Pfosten völlig freistehend nur noch einschieben muss. 1:0.

Eine knappe halbe Stunde ist gespielt. Ein ausgeglichenes Spiel. Ganz ganz großen Chancen lassen auf beiden Seiten noch warten. Jetzt waren wir aber mal wieder dran. Der Schuss von Markus Klotz geht allerdings abermals knapp am langen Posten vorbei.

Immer wieder passieren uns aber im Angriffsspiel überhastet Fehlpässe. So ergibt sich auch die nächste gute Möglichkeit für den Gastgeber. Wir verstolpern den Ball am eigenen 16-Meter- Raum. Maximilian Müller kommt völlig frei zum Abschluss, verzieht aber deutlich. Bad Berka äußerst ballsicher. Das Team vom Trainer Stephan Reitmann lässt das Leder auf dem gut bespielbaren Kunstrasen sicher durch die eigenen Reihen laufen. Immer wieder wird Jäpel gesucht, der aber mittlerweile in unserer Abwehr gut aufgehoben ist.

Dann machen wir das nach vorn mal so richtig gut. Tim Richter schlenzt den Ball von der Mittellinie über die Viererkette in den Lauf von Jannik Wolff, der zur Überraschung seiner Gegenspieler in der 34. Minute diesmal rechts auftaucht und den Ball mit dem Außenrist überlegt ins lange Eck spitzelt. 1:1. Weiter wir. Über rechts setzt sich Bastian Dräger hervorragend durch. In der Mitte trifft Jannik Wolff den Ball nicht richtig, wird aber gleichzeitig auch am gezielten Abschluss gestört. Wir sind jetzt besser im Spiel. Haben jetzt, seit der 30. Minute, sogar etwas Übergewicht.

Dann aber die 45. Minute. Elfmeter für Bad Berka. So richtig weiß keiner warum. Der Angriff war abgeschlossen. Der Schuss ging deutlich daneben. Es soll wohl irgendeine Berührung gegeben haben. Jäpel versenkt den Ball scharf und platziert zur mittlerweile schmeichelhaften Gastgeberführung, auch wenn Tämmler mit den Fingerspitzen noch dran war.

Mit der knappen Führung für Bad Berka geht es bei hervorragenden äußeren Bedingungen in die Pause. Der Gastgeber darf sich bis dato mehrfach beim Schiedsrichter bedanken. Mit hochroten Kopf diskutieren die etwa 35 mitgereisten Geraer Fans lautstark vor allem über das Schmunzeln bei den Entscheidungen gegen den TSV.

Unsere Redaktion will sportlich fair und neutral bleiben und enthält sich an dieser Stelle jeglicher Wertung. Vielleicht würden wir uns sonst emotional im Ton vergreifen und dafür berechtigte Kritik ernten. Gleich zu Beginn des zweiten Durchganges haben wir dann Glück. An der Außenlinie verlieren wir leichtfertig den Ball, Jäpel schiebt ihn soft in die Mitte, wo ein Westvororte-Verteidiger gerade noch so klären kann.

Dann sind wir wieder an der Reihe. Zum zweiten Male kann sich Jannik Wolff über außen gut durchsetzen, zum zweiten Male verpassen wir in der Mitte nach Rückpass von der Grundlinie den gezielten Abschluss. Wir machen das jetzt gut. Wir sind am Drücker. Nach der insgesamt recht ausgeglichen ersten Halbzeit bestimmt nun der TSV Gera-Westvororte das Spiel.

Dann kann Sören Eismann eine Flanke nur per Hand klären. Elfmeter für das Team von Trainer-Duo Gehrt/Schlebe. Die Freude darüber währte bei Spielern und Fans allerdings nur kurz, denn unser Kapitän Tim Richter jagt das Leder über den Querbalken.

Dann wieder Wolff. Der ist nicht zu halten. Wiederholt über links wird er diesmal im Strafraum rigoros von den Beinen geholt. Der Pfiff bleibt abermals aus. Jetzt muss auch unsere Redaktion den Kopf schütteln. Noch sind aber gut 30 Minuten zu spielen. Ruhig, Jungs. Dranbleiben. Es ist noch viel Zeit. Wir sind am Drücker. Sind in der zweiten Halbzeit die deutlich überlegende Mannschaft. Der Gastgeber kommt kaum nach aus der eigenen Hälfte raus.

Wieder eine Chance für uns. Nach Ecke von Winefeld köpft Maximilian Kurth völlig freistehend aufs Tor, Keeper Justin Scheeder aber kann reaktionsschnell klären. Das war die nächste 100-prozentige für den TSV. Nur zwei Minuten später eine weitere gute Möglichkeit, abermals aber ist Scheeder zur Stelle.

Teilweise spielen wir uns jetzt richtig attraktiv und schön durch die gegnerischen Reihen. Mehrfach können wir auch in der Folge nur per Foul gestoppt werden. Wie jetzt wieder, als Franz Hoffmann von den Beinen geholt wird. Freistoß. Zentral. Wieder Nix. Abermals ist eine gute Möglichkeit dahin.

Noch genau 15 Minuten. Zwei Freistöße aus verheißungsvoller Position jagen wir direkt in die gegnerische Mauer. Das ist zu wenig. Wenn wir doch einmal richtig in den Lauf kommen, hebt der Linienrichter die Fahne. Erst erwischt Mouctar Diallo, dann Jannik Wolff, der um mehrere Meter nicht im Abseits stand. Was hat der Assistent da gesehen?

Noch genau 10 Minuten. Und seit circa 20 Minuten ist das hier ein Spiel auf ein Tor. Westvororte mit gefühlt 90 % Ballbesitz und einer Vielzahl richtig guter Möglichkeiten. Bad Berka nur ganz selten mit Entlastungsangriffen, die allerdings nichts einbringen. Keine Strafraumaktion. Kein Torschuss. Der Gastgeber, der seit der 70. Minute auch auf seinen Abwehrchef Sören Eismann verzichten muss, steht nur noch hinten drin, schwimmt. Ist stehend K.O.

Die Netto-Spielzeit begrenzt sich in der Folge auf ein Minimum, da der Gastgeber nach Foulspielen und den entsprechenden Behandlungspausen vermehrt viel Zeit von der Uhr nimmt. Geduldig wird das beobachtet und geduldet.

Einmal mehr bewahrheitet sich heute, dass Fussball ein Ergebnissport ist. Eine B-Note gibt es nicht. Diese Erfahrung muss unsere junge Mannschaft spätestens sieben Minuten vor Ultimo machen, als ein Befreiungsschlag der Gastgeber zur Chance wird. Der eigentlich unkoordiniert nach vorn geschlagene Ball landet bei Carlo Bartholmeß, der das Spielgerät nur noch über Jonas Tämmler lupfen muss und zur Entscheidung trifft. 3:1.

Mit dem ersten Torschuss in der zweiten Hälfte macht der Gastgeber den Sack zu. Da haben wir jetzt geschlafen. Und wieder liegt ein Spieler von Bad Berka am Boden. Wieder ist das Spiel unterbrochen.

Wir setzen jetzt alles auf eine Karte. Wir entblößen uns hinten. Und abermals so ein langer Ball. Jäpel überläuft einen Verteidiger und schließt überlegt zum 4:1 ab. Der Deckel ist drauf. Gnadenlos effektiv. Da haben wir wieder geschlafen, auch wenn man anerkennen muss, dass der Abschluss richtig gut war. Wir geben uns dennoch nicht auf, spielen weiter nach vorn, auch wenn das Spiel entschieden ist. Das bringt außer zwei weiteren Möglichkeiten, die wir nicht nutzen können, nichts ein.

Und noch einmal haben wir in der Nachspielzeit eine Möglichkeit, aber nach schöner Flanke von Tim Richter trifft der aufgerückte Mathias Leopold den Ball nicht richtig. Auch der eingewechselte Mouctar Diallo kann aus bester Position den Ball nicht im Tor unterbringen, sondern setzt ihn an die Oberkante der Latte. Das ist zu wenig.

Der Diskussion über den Schiedsrichter wollen und können wir uns nicht anschließen. Denn auch, wenn es hierzu berechtigterweise Redebedarf gäbe, wie es sogar Spieler des FC Einheit Bad Berka schmunzelnd zugegeben haben, muss man aus so vielen Möglichkeiten, wie sie der TSV heute hatte, mehr machen. Abermals gehen wir nach einem ersten Spieltag in der Verbandsliga mit einer Niederlage nach Hause, obwohl wir den Gastgeber ab Mitte der zweiten Halbzeit im Schwitzkasten hatten, uns aber hintenraus die Butter vom Brot nehmen ließen.

Tja, klingt doof, aber war so. Westvororte die klar bessere Mannschaft. Mehr Spielanteile, mehr Torchancen. Aber auch mehr Unvermögen. Bad Berka eiskalt. Äußerst effektiv. Mit dieser Erkenntnis schmeckt auch euch der Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee heute bestimmt nicht gut, wie auch unserer Redaktion das Weckerklingeln und der Kaffee heute früh um sechs ganz und gar nicht geschmeckt haben.

Der Start in die neue Saison ist wieder einmal missglückt. Und wir wollen definitiv nichts schön reden, denn die Niederlage sitzt auch tags drauf noch tief in den Knochen und tut weh, auch wenn man keinen Spieler in irgendeiner Form einen Vorwurf machen kann.

Und auch wenn in den nächsten Wochen und Monaten weiterhin keine B-Note vergeben wird, die Art und Weise, wie wir heute Fußball gespielt und wie wir uns eine Vielzahl an Chancen erarbeitet haben, lässt hoffen und macht Hoffnung. Vorausgesetzt, man bringt ein wenig mehr Effektivität ins eigenen Spiel.

Und all denjenigen, die beim Aufzählen von potentiellen Absteigern den TSV Gera-Westvororte vergessen haben, oder die denken, diese Saison wird um einiges leichter als die vergangene, denen sagen wir spätestens jetzt pünktlich um Null900: Guten Morgen.

Ohne Worte …

#ausgerafürgera

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