Die Sensation ist perfekt
Freude und Stolz. Westvororte darf jubeln
Wir können es immer noch nicht so richtig fassen. Die Mannschaft von Trainer Daniel Gehrt hat gestern ihre letzte Chance am Schopfe gepackt und das Unmögliche möglich gemacht. Gera ist somit auch weiterhin in der Verbandsliga vertreten.
Könnte es denn ein spannenderes Saisonfinale überhaupt geben? Die Sensation ist perfekt. Die Ger’schen Jungs vom Underdog aus ScheubengrobsDorf spielen ein weiteres Jahr in der höchsten Liga unseres Freistaates.
Vor 250 Zuschauern, davon allein knapp 70 (!) Geraer, machte unsere Nr. #8 Sascha Winefeld nicht nur knapp 10 Minuten vor dem Ende des Spieles, sondern auch 10 Minuten vor Ende einer langen und herausfordernden Saison den Deckel auf den Klassenerhalt. Die Landeshauptstadt war gestern nicht nur ein Ort großer Worte, sondern auch großer Taten und voller Jubel.
Mit viel Tapes, Charakter, Moral und unbändigem Willen haben Tim Richter und Co. die Klasse gehalten. An das nach dem Aufstieg angekündigten Ein-Jahres-Abenteuer Verbandsliga hängen wir nun ein weiteres Jahr dran.
Die Aufregung war groß, die Spannung kaum zu überbieten. Auch unsere Redaktion fiebere mit, so dass die Aufzeichnungen auf unserem Notizblock diesmal sehr rar waren. Bitte verzeiht uns.
Nach großen Schwierigkeiten zu Beginn der Saison, Verletzungssorgen, unnötigen Gelben Karten und Sperren sowie Niederlagen, die nicht hätten sein müssen, hat die Mannschaft rechtzeitig die Kurve bekommen und Fans und Verein glücklich gemacht. So steht nunmehr einem unbeschwerten Sommerfest am nächsten Wochenende nichts mehr im Wege.
Aber wir wollen nicht zu viel philosophieren. Das holen wir bei Gelegenheit im Detail noch nach. Kommen wir zum Spiel in Büßleben.
Es war kein gutes und auch kein schönes Verbandsligaspiel. Der trockene Rasen ließ die Bälle teilweise unkoordiniert hoppeln und springen. Der starke Wind und vor allem die extremen Böen taten ihr Übriges und machten den Spielern teilweise arg zu schaffen.
So nach und nach kam Westvororte damit aber besser zurecht. Eine erste Möglichkeit nach Freistoß von Tim Richter, bei dem Philipp Rehnelt am langen Pfosten einen Schritt zu spät kommt. Auf der anderen Seite ein etwas überhasteter Abschluss, der das Tor von Jonas Tämmler verfehlt.
Dann muss Lenny Schumann im Strafraum Kopf und Kragen riskieren und sich entschlossen in den Schuss werfen, um den freistehenden Stürmer am erfolgreichen Abschluss zu hindern. Mit so viel Herz und Einsatz müssen wir aber auch die restlichen 80 Minuten noch zur Werke gehen, um hier und heute was zu holen.
Dann haben wir die riesengroße Chance zur Führung. Markus Klotz läuft nach Zuckerpass von Winefeld allein aufs gegnerische Tor zu, scheitert aber am Keeper. Auch die Nachschüsse von Winefeld und Rehnelt sind leider nicht von Erfolg gekrönt. Das war die erste Hundertprozentige im Spiel.
Westvororte der Führung nahe. Eine knappe halbe Stunde ist rum. Jetzt Richter. Mit viel Übersicht und Gefühl spielt er links raus auf Wolff, der von seinem Gegenspieler nicht zu halten ist, sich durchsetzt und mit Tempo auf die Grundlinie zieht. Von dort passt er überlegt zurück auf den mitgelaufenen Richter, der mit seinem starken Linken den Ball von der Strafraumgrenze ins lange Eck in die Maschen jagt.
Und gleich noch mal Westvororte mit der dritten richtig guten Möglichkeit binnen weniger Minuten. Diesmal ist es Sascha Winefeld der gleich vier oder fünf Gegenspieler auf Strafraumhöhe austanzt, sein Abschluss aber ist etwas zu schwach und daher sicherer Beute von Maximilian Geißler im Tor unserer Gastgeber.
Und der darf sich anschließend gleich noch einmal beweisen, als er einen Freistoß von Tim Richter à la RWE noch gerade so von der Linie boxen kann. Westvororte, dem zweiten Tor kurz vor der Pause sehr nahe.
Die Ergebnisse aus den anderen Stadien machen im großen Westvororte Fan-Block zwischenzeitlich die Runde. Die Hoffnung auf die Sensation steigt und steigt.
Pause. Alle erst mal durchatmen. Noch 45 Minuten. Wenn es so bleibt, bleibt auch Westvororte. Der Klassenerhalt ist nur noch eine Halbzeit entfernt. Die aber müssen wir noch einmal mit mindestens 110 % und allerhöchster Konzentration angehen. Der zweite Durchgang beginnt wie der erste. Beide Mannschaften abermals äußerst nervös. Es geht um viel. Der starke Wind macht es den Spielern nicht einfacher.
Büßleben versucht es nun mit dem Wind im Rücken vermehrt mit weiten und hohen Bällen. Zweimal kurz nacheinander muss Tämmler jetzt in allerhöchsten Not zupacken, macht das aber richtig gut und sicher.
Dann haben alle den Elfmeterschrei auf den Lippen, als ein Gastgeberspieler den Ball im eigenen Strafraum klar und deutlich mit der Hand spielt. Der sonst sehr gute Schiedsrichter Horst Bachmann übersieht dies, lässt unverständlicherweise weiterspielen und bestraft das Handspiel nicht mit Elfmeter für Westvororte.
Das nehmen wir so hin. Können es aber nur zwei Minuten später nicht mehr nachvollziehen, denn in haargenau der gleichen Situation gibt es nun einen Elfmeter für den Gastgeber. Unsere Proteste helfen nichts. Ernüchterung macht sich breit.
Kippt das Spiel jetzt? Macht Büßleben jetzt den Ausgleich? Wie können unsere Jungs dann reagieren? Die Antwort auf all diese Fragen macht Jonas Tämmler aber zu Nichte, indem er den Ball sensationell aus der Ecke hechtet und die Null hält.
Bezeichnend in diesem Moment, dass unsere beiden Ersatztorhüter Cedric Thrum und Clemens Burgold die ersten waren, die aufsprangen, jubelten und Jonas Tämmler zum gehaltenen Elfmeter lautstark applaudierten.
Westvororte macht das jetzt gut. Man überzeugt nicht, aber spielt clever. Wie schon gegen Schleiz. Und wir sind präsent. Wir sind 100 % da. Großer Jubel allein dann, wenn wir einen gefährlichen Angriff verteidigen können, einen Zweikampf gewinnen oder der Ball zum Einwurf ins Aus geht.
Bei Zweikämpfen sind wir in dieser Phase meist Sieger. Die Körpersprache stimmt. Wir kommen unserem ganz großen Ziel immer näher.
Aber wir müssen aufpassen. Büßleben hat sich noch nicht aufgegeben. Allen voran Robin Quitt. Der Kapitän macht ein überragendes Spiel und treibt seine Jungs immer wieder an. Noch sind knapp 15 Minuten auf der Uhr. Zittern. Bangen. Hoffen.
Aber da ist ja dieser Tämmler. Ein Teufelskerl. Gefühlt zehn Ecken mit viel Wind fliegen ihm und uns in der Schlussphase gefährlich um die Ohren und in unseren Strafraum hinein. Tämmler, Zschille, Lätz und Leopold bleiben aber Sieger und haben auch die Lufthoheit.
Nach vorn können wir immer wieder kleinere Nadelstiche setzen und haben Möglichkeiten. Die ganz großen Chancen allerdings im Moment nicht. 10 Minuten vor Ultimo dann aber doch. Sascha Winefeld wird etwa 25 m vor dem Tor super bedient, nimmt sofort Tempo auf, läuft mit Ball zwei Gegenspielern davon und bleibt eiskalt im Abschluss. 2:0. Jetzt ist der Jubel grenzenlos.
Ist das die Entscheidung? Kann Büßleben noch einmal zurückkommen? Ist der Gastgeber in der Lage, jetzt noch zwei Tore zu erzielen? Selbst dann würde es wohl für unsere Jungs reichen, sagen die Ergebnisse aus den anderen Stadien, die jetzt so nach und nach vermehrt die Runde in unserem lautstärken Block machen.
Um es vorwegzunehmen, es brennt nichts mehr an. Tämmler packt noch einmal fest zu. Den Rest verteidigen seine Mannen vor ihm.
Riesen Jubel dann in der 90. +5 als der insgesamt souveräne Schiedsrichter Horst Bachmann das Spiel abpfeift, sich unsere Spieler in den Armen liegen und die Fans immer lauter und lauter ihren Schlachtruf zum Besten geben.
Um 16:50 Uhr ist die Sensation wirklich perfekt. Die Ger’schen Jungs vom Underdog aus ScheubengrobsDorf spielen ein weiteres Jahr in der höchsten Liga unseres Freistaates. Glückwunsch, Jungs! Der ganze Verein und alle Fans sind mächtig stolz auf euch. Und wir sind es natürlich auch.
Ein letztes Mal in dieser Saison hat bei unserer Redaktion am Sonntag früh um sechs der Wecker geklingelt. Ein Letztes Mal lassen wir uns in dieser Saison – und das selbstverständlich wie immer pünktlich um null900 – den Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee schmecken und freuen uns schon heute auf das nächste Wochenende, wenn anlässlich unseres dreitägigen Sommerfestes das Abschiedsspiel von Marcus Schneider stattfindet.
Ihr seid alle herzlich willkommen. Grund zum Feiern haben wir ja momentan genug. Was es sonst im Dorf so Neues gibt und in der nächsten Saison geben wird, erfahrt ihr in Kürze.
Ohne Worte …
#ausgerafürgera
#stolzkenntkeineliga
#fairrespektvollkämpferisch
#westvororte … Wo Freunde nicht nur zusammen Fußball spielen
.

