Tabellenführer zittert sich zum Sieg
Großartige Leistung der Weiß-Blauen wird nicht belohnt
Mit einer kurzen Trauerrede unseres Vorsitzenden Heiko Linke und einer anschließenden Schweigeminute für Silke Schöler-Winefeld, Mutti unseres Spielers Sascha Winefeld, die vor kurzem nach langer, schwerer Krankheit viel zu jung verstorben ist, begann der Nachmittag nachdenklich und demütig. Danke an dieser Stelle an der Schiedsrichter-Team und die Mannschaft vom SV Schott Jena, dass man uns kurz vor Spielbeginn die Möglichkeit gegeben hat, Silke in diesem Rahmen zu ehren und ihr zu gedenken.
Schon vorher, anlässlich des Internationalen Frauentages am heutigen Sonntag, überreichte unser geschäftsführender Vorstand, Juliane Schnabel und Heiko Linke, jeder weiblichen Zuschauerin eine Rose und ein Glas Sekt zur Begrüßung.
Ein anschließend spannendes und packendes Verbandsligaspiel brachte die Zuschauer von Minute eins an auf andere Gedanken. Eine wirklich großartige Leistung, die unsere Mannschaft gestern vor 136 Zuschauern im LVM Sportpark abgerufen hat.
Spielerisch. Kämpferisch. Alles hat gepasst. Auch die äußeren Bedingungen. Das Wetter. Der super bespielbare Platz. Nur das Ergebnis nicht. Wiederholt diese blöden Fehler, die uns immer wieder ins Verderben stürzen. Immer wieder diese blöden Unaufmerksamkeiten.
Wie man aber dem Tabellenführer über die gesamte Spielzeit – nicht nur kämpferisch, sondern auch auch fußballerisch – Paroli geboten hat, ist aller Ehren wert und sollte der Mannschaft und den Fans weiterhin viel Mut machen, dass diese Saison noch lange nicht vorbei ist.
Der TSV von Beginn an präsent. Zweite Minute. Richter direkt auf Rehnelt. Der sofort auf Eichberger. Der läuft seinem Gegenspieler davon, trifft aber aus spitzem Winkel nur ans Außennetz. „Den muss ich eigentlich machen“, sagte uns unsere #19 Tom Eichberger nach dem Spiel.
Auf der anderen Seite Schott immer dann gefährlich wenn es über die beiden Außen ging. Das sieht richtig gut aus. Die kommen immer wieder bis auf die auf Grundlinie durch und flanken. Zweimal hintereinander brennt es in unserem Strafraum jetzt lichterloh. Aber es brennt nichts an.
Auf der anderen Seite bringen wir den Tabellenführer zum zweiten Mal zum Schwitzen. Nach schnellem und weitem Einwurf ist es Wolff mit seinem Abschluss aus etwa 10-12 Metern, aber deutlich daneben. Wir halten bisher gut mit. Jetzt, nach genau 15Minuten, hat Markus Klotz die Möglichkeit, auch er verzieht. Aber wir machen das gut. Beide Mannschaften haben die ein oder andere gute Möglichkeit. Das verspricht ein packendes Spiel.
Dann muss sich der Jenaer Keeper so richtig lang machen, um einen Lupfer mit Mühe und Not mit den Fingerspitzen noch über die Latte zu drücken. Den hat Dzotsenidze richtig stark gehalten. Wir sind nah am Tor. Wir sind näher am Tor. Ecke.
Im Anschluss daran wird ein Faul an Rehnelt im Strafraum übersehen. Das passiert im Getümmel. Auch den Tritt von hinten in die Hacken von Eichberger kurz vor der Strafraumgrenze übersieht der Schiedsrichter. Das hätte er allerdings jetzt sehen müssen. Das hat schon beim Zuschauen wehgetan.
Dann darf auf der anderen Seite Tämmler beweisen, was er kann. Unser Keeper liegt waagerecht in der Luft und hechtet das Leder aus der Ecke.
Kurz vor der Pause noch einmal Schott über rechts. Über die Außen sind sie besonders stark. Ballsicher. Schnell. Gefährlich. Die genaue und scharfe Flanke kann Bastian Dräger per Kopf gerade noch vor einem einschussbereiten Jenenser wegköpfen.
Pause. Die insgesamt knapp 140 Zuschauer sind mit dem Spiel und dem Ergebnis der Unseren recht zufrieden. Kurzer Szenenapplaus beim Gang in die Kabine.
Aber kaum hat der zweite Durchgang begonnen, ist es auch schon passiert. 50. Spielminute. Ein Eckball und am langen Pfosten, vergleichbar mit dem Ausgleich in Bad Langensalza, steht Simon Feistner und muss nur noch den Kopf hinhalten.
Ungehindert bringt er seine Farben in der 50. Minute mit 1:0 in Führung. Wir schütteln uns kurz und sind sofort wieder da. Tämmler auf Lätz. Der geht noch ein paar Meter und sein weiter diagonaler Ball, der ihm leicht über den Spann rutscht, wird zum Verhängnis für den Jenaer Keeper, der den springenden Ball völlig unterschätzt und den Ausgleich aus fast 50 Metern hinnehmen muss. 55. Minute, 1:1. Jawoll.
Die Freude auf unserer Seite währte aber nur kurz, ganz kurz, denn nur eine Minute nach dem Ausgleich schlägt der Tabellenführer abermals zu. Schott eiskalt. Wie ein Tabellenführer. Wie eine Spitzenmannschaft. Jeder unserer Fehler wird eiskalt bestraft. 1:2.
Wieder eine Flanke, wieder ein Kopfball.
Wieder sind wir nicht präsent genug und kassieren das nächste Gegentor durch Franz Bobkiewicz. Ein Wechselbad der Gefühle. Für Spieler und Zuschauer. Drei Tore innerhalb von nur gut fünf Minuten. Aber wir stecken nicht auf. Schon wieder sind wir im Ballbesitz und drücken Schott hinten rein. Teilweise kann sich der Favorit nur mit weiten Befreiungsschlägen behelfen. Spielen wir auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer?
Ja, wir haben mindestens genauso viele Spielanteile. Wir haben mindestens genauso viele gute und richtig gute Möglichkeiten. Mehrfach sind wir aber nicht mit dem im Bunde, den man braucht, wenn immer mal wieder eine Entscheidung auf Messers Schneide steht. Und da reden wir nicht vom Glück.
Dann können wir einen Angriff im Aufbau unterbinden, pressen immer noch sehr hoch. Investieren sehr viel. Wolff kommt nach schöner Vorarbeit von Dräger zum Abschluss. Verzieht aber und wird Augenblick des Schusses von hinten rabiat von den Beinen geholt. Der Schiedsrichter pfeift nicht.
Und schon wieder geht es Wolff im Strafraum von hinten an den Kragen bzw. in die Beine. Wieder pfeift der Schiri nicht, entscheidet aber nach kurzem Überlegen nicht, wie ursprünglich auf Abstoß, sondern kurioserweise auf Eckball, obwohl der Jenaer Verteidiger den Ball gar nicht getroffen hat. Das soll verstehen, wer will.
„Glücklicherweise“ stehen wir direkt daneben und können aus einer Entfernung von weniger als 10 Metern klar und deutlich sehen und einschätzen, dass das keine Ecke, sondern nahe an der Körperverletzung war, die der Schiedsrichter wohlwollend in Kauf nimmt.
Als wir uns wiederholt lautstark darüber echauffieren, erhalten wir nur ein kurzes überhebliches Grinsen zurück. Hier steht für unsere Redaktion ganz klar die Frage nach der Definition Unparteiischer.
Aber weiter, wir können es eh nicht ändern. Wir sitzen nicht am längeren Hebel. Die Ecke unseres Kapitäns kommt gefährlich nach innen. Philipp Rehnelt erwischt den Ball mit dem Kopf, verzieht aber ganz knapp. Auf der anderen Seite macht es Schott clever.
Besser. Abgezockter. Wir verlieren im Spielaufbau den Ball. Dann geht es ganz schnell. Gut 20 Minuten vor Ultimo Benno Walter mit dem 1:3. Die Entscheidung? Wieder bewahrheitet sich die These, dass Fehler in dieser Liga eiskalt bestraft werden. Jetzt Glück, dass nach einem weiteren Fehler der freistehende Carl Winkler am starken Tämmler im Geraer Kasten scheitert.
Dann wieder unsere #1. Tämmler föngt eine Flanke vor dem einschussbereiten Stürmer ab. Er eröffnet das Spiel sofort und passt über 50 Meter zielgenau auf Tim Richter. Der kommt nahe der Strafraumgrenze in relativ zentraler Position mit der Fußspitze zwischen zwei Verteidigern, die sich nicht einig sind, an den Ball und lupft ihn über den schlecht positionierten Jenaer Schlussmann, der abermals keine gute Figur macht in die Maschen. Der zweite Assist unseres Keepers.
Jetzt, so 15 Minuten vor dem Ende, Powerplay von Westvororte. Aber wir lassen uns dann im letzten Moment immer wieder den Schneid abkaufen, so dass der Jenaer Torwart jetzt den Ball sichern kann. Weiter Westvororte. Jetzt versucht sich Rehnelt mit dem Abschluss, trifft den Ball aber nicht richtig, so dass der Schott-Keeper das Leder abermals sicher fangen kann.
Und schon wieder Westvororte. Jetzt spielen wir uns über links gut durch und die Flanke von Wolff wird zum Torschuss. Der Keeper kann den Ball mit den Fingerspitzen noch gerade so um den Pfosten zur Ecke lenken.
Westvororte jetzt mit einem klaren Chancenplus. In den letzten Minuten und auch in der in der vierminütigen Nachspielzeit drücken wir den Tabellenführer hinten rein. Mit Glück und Geschick und einer vielbeinigen Abwehr bringen die Jenaer die knappe Führung allerdings über die Zeit und bejubeln den Sieg danach, als hätten sie einen Spitzenspiel gewonnen.
Apropos Spitzenspiel. Ja, so darf man das Spiel heute durchaus betiteln. Was die Qualität des Fußballs betrifft, waren der Tabellenführer und der Aufsteiger nicht weit voneinander entfernt. Schott gar fast so gut wie Westvororte.
Gegen das Plus von Schott war für die Scheubengrobsdorfer Spieler numerisch allerdings kein Angekommen, auch wenn unser zwölfter Mann die Mannschaft immer wieder angefeuert und nach vorne getrieben hat. Vielleicht haben wir, was das betrifft, auch einmal das Glück auf unserer Seite. Denn das des Tüchtigen hatten wir heute leider nicht. Ungeachtet dessen können wir erhobenen Hauptes auf gestern zurück und optimistisch auf das nächste Spiel nach vorn schauen und lassen uns jetzt trotz der Niederlage pünktlich um null900 den Sonntag-Guten-Morgen-Kaffee wie immer gut schmecken.
Ohne Worte …
#ausgerafürgera
#westvororte … wo Freunde nicht nur zusammen Fußball spielen
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